Diercke 360

10 UNTERRIchTsEINhEIT sEKUNDaRsTUfE I Diercke Weltatlas Magazin Diercke 360° zur autorin: cecilia hoppe, Humboldt-Universität zu Berlin Arbeitsschwerpunkte: Fachdidaktik Geographie, u. a. Lernen mit digitalen Medien, Differenzierung, Aufgaben Klimawandel und Gletscherschwund als Touristenattraktion? Der Rhonegletscher in den Schweizer Zentralalpen zieht seit über 125 Jahren Touristen an. Die Faszination des mächtigen Eises und des hautnahen Erlebens des Gletschers waren die Hauptgründe für einen Besuch im Kanton Wallis. Heute hat sich das Bewusstsein bei den Besuchern geändert: „Wir könnten die letzten Zeitzeugen sein“, hört man hier immer öfter. Die schmelzenden Gletscher werden überwiegend als Phänomen bestaunt, machen für die Menschen jedoch auch die Auswirkungen des Klimawandels sichtbar. Steckbrief des Rhonegletschers Mit seiner Gesamtlänge von derzeit ca. 8 km und einer Fläche von etwa 17 600 km 2 zählt der Rhonegletscher zu den zehn längsten und größten Gletschern der Schweiz. Als typischer Talgletscher ist er durch ein deutlich umgrenztes Einzugsgebiet gekennzeichnet: im Norden vom Winterbergmassiv begrenzt und im Westen die Gerstenhörner sowie im Osten den Galenstock flankierend. Somit ist der Rhonegletscher fast vollständig nach Süden exponiert. Die Gletscherzunge läuft zurzeit etwas oberhalb von 2 200 m aus (Diercke u S. 102.2: 2006, Diercke 2 u S. 78.2: 2006). In dieser niedrigeren und damit wärmeren Höhenstufe schmilzt das Eis der Zunge ab. Hier an der Südspitze des Gletschers entspringt die Rhône als subglazialer Schmelzwasserbach (siehe auch: Diercke online – Kartenerläuterungen). Gletscherrückzug Ein Gletscherrückzug tritt ein, wenn die Akkumulation, der Eiszuwachs im Nährgebiet, geringer als die Ablation (Schmelze) im Zehrgebiet ist. Die Massenbilanz des Eises ist dabei von mehreren Faktoren abhängig: Nieder- schlagsmengen und Temperaturen im Winter und im Sommer, Wind und Luftfeuchtigkeit. Die ersten glaziologischen Messungen begannen am Rhonegletscher bereits 1874 und werden vom Schweizer Gletschermessnetz* fortgesetzt. Insgesamt ist im Zeitraum von 1879 bis 2008 eine Längenänderung des Glet- schers von 1 258 m dokumentiert worden (vgl. M3). Die Gletscherzunge reichte damals noch bis zum Ort Gletsch, der in den 1830er-Jahren als kleine Hotelsiedlung entstand. Das Hotel „Glacier du Rhône“ befand sich damals direkt am Fuß des Gletschers (siehe Bild rechts). Heute erscheint der Gletscher nur noch als flacher, schmal auslau- fender Eisstrom, der den Talboden von Gletsch schon lange nicht mehr erreicht (Diercke u S. 102.2: 2006, Diercke 2 u S. 78.2: 2006). Der Rückzug des Eises erfolgte nicht permanent, sondern schwankend. Lange Perioden des Rückgangs wurden durch kurze Phasen des Vorschubs unterbro- chen; so stieß der Rhonegletscher in den Jahren von 1912 bis 1921 etwa 137 m ins Tal hinunter. Ein letzter Vorstoß des Eises um 9 m war im Jahr 1986 zu verzeichnen, seither schmilzt das Eis. Prognosen zum Gletscherrückzug Schweizer Forscher haben ein Rechen- modell entwickelt, mit dem auf der Basis gegenwärtig zur Verfügung stehender Daten über die Klimaentwicklung der voraussichtliche Zustand des Rhoneglet- schers bis zum Jahr 2100 simuliert werden kann (vgl. M4). Demnach wird der Gletscher bis 2060 voraussichtlich etwa die Hälfte seines derzeitigen Eisvolumens verlieren. Bei gleichblei- bender Entwicklung wird für das Jahr 2100 das endgültige Verschwinden des Rhonegletschers prognostiziert. *Das Schweizer Gletschermessnetz wird gemeinsam von der Expertenkommission für Kryosphärenmessnetze der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (EKK/SCNAT) und Abt. Glaziologie an der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie der ETH Zürich (VAW/ETHZ) betrieben. (Internet: http://glaciology.ethz.ch/ messnetz/index.html) Rhonegletscher 1906 und 2003 Arbeitsblätter und Lösungen finden Sie online unter: www.diercke.de/360grad

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