Diercke 360

Gletschertourismus Mit der „Kleinen Eiszeit“ gingen in der Mitte des 19. Jahrhunderts der Höchst- stand der Alpengletscher und damit auch die Blütezeit des Gletschertouris- mus einher. Mit steigendem Interesse der Besucher entwickelte sich am Rhonegletscher eine florierende Gebirgshotellerie; die bekanntesten Hotels hier sind das Hotel „Glacier du Rhône“ in Gletsch und das Hotel „Belvédère“ an der Furkapasstraße. Im 20. Jahrhundert vollzog sich eine rasante weitere Entwicklung hin zum Massen- tourismus: kleine Gletscherdörfer wurden zu Gletscherdestinationen, Alpenstraßen wurden zu Schnellstraßen und die Gletscher wurden als Sommer- skigebiete entdeckt und genutzt. Eine Reihe von Skitourenrouten der Sommer- saison führt an den Gletschern des Wallis entlang, auch am beliebten Rhoneglet- scher. Ein weiteres touristisches High- light am Rhonegletscher ist eine ca. 100 m lange Eisgrotte, die im Sommer täglich zwischen 1 000 und 1 500 Besucher anlockt (vgl. M1). Hier können die Besucher einen Blick in das Innere des Gletschers wagen und den Rückzug des Gletschers hautnah beobachten und miterleben. Diese „Attraktion Gletscher- rückzug“ hat jedoch auch ihre Schatten- seite: Mit fortschreitendem Schmelzen der Gletscher verlieren viele Touristen- orte ihre Basis, denn das Beobachten der Eisströme ist vielerorts schon heute nicht mehr möglich. Bekannte Ausflugsziele verlieren ihre Anziehungskraft, Hotels und Gasthütten bleiben leer. Mit dem Rückzug des Rhonegletschers verliert die Region im Wallis nicht nur eine landschaftlicheBesonderheit! Literatur: Siegrist, D.: Alpentourismus im Treibhaus – verschwinden mit den Gletschern auch die Gäste? In: Zängl, W. und Hamberger, S.: Gletscher im Treibhaus. Tecklenborg Verlag, Steinfurt 2004. Zryd, A.: Eine kleine Geschichte der Gletscher: die Alpengletscher im Klimawandel. Haupt Verlag, Bern: 2008. Gletscher im ständigen Wandel: Jubiläums- Symposium der Schweizerichen Gletscherkommission 1993 Verbier (VS) „100 Jahre Gletscherkommission - 100000 Jahre Gletschergeschichte“. Zürich : VDF, Hochschulverl., 1995. - VIII, (Publikationen der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften; 6) Links: www.uni-mainz.de/presse/27960.php http://glaciology.ethz.ch/swiss-glaciers/ (Schweizerisches Gletschermessnetz) http://www.staff.uni-mainz.de/hjfuchs/ Wallis-Homepage-2008/index.html (Projektstudie der Johannes Gutenberg Universität Mainz) http://glaciology.ethz.ch/swiss-glaciers/ Tipp Ein Dokumentarfilm zum Projekt – ein Film für Lernende von Lernenden – kann zur Vorführung in der Schule bei der Universität Mainz angefordert werden. Kontaktaufnahme möglich unter folgendem Link: http://www. uni-mainz.de/presse/27960.php. Rhonegletscher, Oberwald (VS) 2005 Das Thema im Unterricht Einstieg Die Problematisierung kann mithilfe eines Bildvergleichs vom Rhoneglet- scher früher und heute erfolgen. Hierbei sollten die Themen Glet- scherrückzug und Tourismus in den Fokus gerückt werden. Erarbeitung Drei Schwerpunkte können auf der Basis der Materialien erarbeitet werden: ’ die Entwicklung des Rhoneglet- schers bis heute (Diercke u S. 102.2: 2006, Diercke 2 u S. 78.2: 2006, Arbeitsblatt M3) ’ die Prognose zur weiteren Entwick- lung des Gletschers (Text, Arbeits- blatt M4) und ’ die Bedeutung und der Wandel des Tourismus im Vergleich – früher und heute (Text, Arbeitsblatt M1 und M2) Schluss Abschließend steht eine Diskussion von Chancen und Risiken des Tourismus für die Region des Rhone- gletschers im Wallis. In der Ausein- andersetzung mit den Zielen und Ergebnissen der Projektsstudie der Universität Mainz kann von den Schülerinnen und Schülern eine Stellungnahme erarbeitet werden. Zentrale Fragestellung: Ist eine „Symptombekämpfung“ über einen klimatischen Eingriff vertretbar und sollte auf diesem Gebiet weiter geforscht werden? (Arbeitsblatt M5) 11

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