14 UNTERRIchTsEINhEIT sEKUNDaRsTUfE I + EVTl. II Diercke Weltatlas Magazin Diercke 360° zur autorin: Prof. Dr. Yvonne schleicher Pädagogische Hochschule Weingarten Arbeitsschwerpunkte: Geographie und ihre Didaktik, Lernen mit digitalen Medien Ölsand aus Alberta/Kanada – eine Lösung für den steigenden Weltenergiebedarf? Vor dem Hintergrund sich verknappender konventioneller Erdölreserven ist heute der Ölsandabbau eine Möglichkeit, die zeitliche Reichweite endlicher Energierohstoffe zu verlängern. Er trägt dazu bei, dass wir auch in 60 Jahren weltweit noch Erdöl nutzen können. Doch für die Natur und die Menschen in Alberta/Kanada ist er nicht nur ein Geschenk, sondern auch eine Gefahr. Greenpeace bezeichnet den Ölsandabbau als das „größte Klimawandel-Verbrechen aller Zeiten“. Eine gigantische Dimension: die kanadischen Lagerstätten für Ölsand Die Ölreserven in der kanadischen Provinz Alberta werden auf 174 Milliar- den Barrel geschätzt. Kanada liegt damit auf Platz zwei nach Saudi Arabien, das weltweit die größten Ölreserven von etwa 260 Milliarden Barrel besitzt. Kanadischer Ölsand ist ein Gemisch aus Sand, Lehm und etwa acht bis zwölf Prozent Bitumen. Der Abbau ist teilweise oberirdisch möglich. Dazu müssen aber die borealen Nadelwälder gerodet und die oberste Bodenschicht abgetragen werden. Technik beim Ölsandabbau Auf den Ölsandfeldern werden gigan- tische Transport- und Abbaufahrzeuge eingesetzt, die auch im Winter bei Ölsandabbau bei Fort McMurray Temperaturen von - 50 °C funktionieren müssen. Die größten hydraulischen Bagger der Welt schaufeln die ölhaltigen Sandschichten ab und laden diese auf Muldenkipper. Die 3500 PS starken Trucks haben die Größe eines Ein- familienhauses und wiegen voll beladen so viel wie ein Jumbo Jet. Sie transpor- tieren die Ladung zu den Zerkleine- rungsanlagen, in denen der Crusher Sandklumpen aufbricht und Steine aussortiert (Gerisch, Scheele 2009). Ölgewinnung In den Upgradern der Raffinerien wird Teersand zu höher konzentriertem Bitumen verarbeitet. Der Ölsand wird mit heißem Wasser und Lauge durch- mischt. Durch die chemische Behand- lung wird das Bitumen von dem Ölsand- Gemisch getrennt. Danach bleibt eine zähflüssige schwarze Masse, eine Art Pech übrig, aus der durch Erhitzung die Kohlenwasserstoffe abgespalten werden. Nun kann es in der Raffinerie verdünnt und zu leichterem Öl veredelt werden. Diese Methode ist ökologisch höchst umstritten. Das benutzte Wasser ist am Ende der Prozedur mit so vielen Giftstoffen kontaminiert, dass es mit den anderen Abfallprodukten in große Rückhaltebecken, so genannte "Tailing Ponds", geleitet werden muss (Gerisch, Scheele, 2009). Die Emission von Treibhausgasen bei diesen Prozessen ist doppelt so hoch wie bei der konventionellen Ölförderung. Der CO2-Ausstoß aller Ölsand-Anlagen Kanadas ist so immens, dass das Land mittlerweile einer der größten Umwelt- verschmutzer weltweit ist. Veränderung einer Region Nicht nur der Landschaftswandel an sich zeigt die dramatischen Veränderungen in der Region Alberta. Der zentrale Ort des Ölsandabbau, Fort McMurray, heißt heute im Volksmund Fort McMoney. Der Ausbau der Ölsandindustrie und der Zuzug von Bevölkerung sind rasant. Wo 1961 noch 1000 Menschen lebten, leben heute 70 000 Menschen. Erwartet werden über 200 000 Einwohner. Die Immobilienpreise in Fort McMurray liegen über denen von Toronto und Vancouver. Campingplatzähnliche Wohnparks oder Containersiedlungen der Ölfirmen dienen als Behausung für die Arbeitskräfte in einer Region, deren Durchschnittstemperatur im Januar - 19,8 °C beträgt. Neben den enormen ökologischen Schäden zeigt das „schnelle Geld“ auch weitere Schattenseiten: die Drogen- und Kriminalitätsrate in Fort McMurray zählt zu den höchsten in Kanada. Forschung zur Verringerung der ökologischen Probleme Kanada wird bei einem anhaltenden Ölboom das Kyoto-Protokoll nicht einhalten können. Damit das Land nicht
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