Diercke 360

Diercke 360° Diercke Weltatlas Magazin Landschaftswandel am Aralsee Die Menschen griffen infolge der ehrgeizigen Pläne Stalins bzw. der UdSSR in den 1960er- und 70er-Jahren in den natürlichen Wasserhaushalt des Sees ein und veränderten die Landschaft und den See gravierend. Die kommunis- tischen Machthaber planten eine Umleitung der beiden Zuflüsse Amudar- ja im Süden und Syrdarja im Nordosten, so dass 95 % des Wassers den See nicht mehr erreichten. Das Wasser wurde dazu genutzt, im Süden und Nordosten des Sees auf riesigen Anbauflächen Baum- wolle künstlich zu bewässern. Seit diesem massiven Eingriff in das Wassermanagement verlandet der Aralsee, d.h. die mit Wasser bedeckte Fläche hat sich etwa halbiert, was z. B. dazu führte, dass ehemals in Ufernähe gelegene Orte wie Kasalinsk oder Muinak nun bis zu 150 Kilometer vom Aralsee entfernt liegen. Diese Dimen- sionen sind kaum vorstellbar. Im Vergleich zu Deutschland hieße dies, dass vor 40 Jahren Hannover an der Nordsee oder Berlin an der Ostsee gelegen hätten. Das Volumen des Meeres ist um über 70 % zurückgegan- gen. Der See besteht nun aus mehreren Teilen, von denen der größte Großer Aralsee heißt. Gleichzeitig ist der Salzgehalt so stark gestiegen, dass die Flächen ökologisch tot sind. Der zum Autor: Knut Heyden, Ratzeburg Lauenburgische Gelehrtenschule Ratzeburg Fächer: Geographie, Mathematik, Informatik Der Aralsee war einst das viertgrößte Binnenmeer der Erde. Ein See solcher Größe ist aufgrund der kontinentalen Lage in einer abflusslosen Senke in Zentralasien in einem Halbwüsten- und Wüstenklima überraschend. Verursacht durch Klimaschwankungen (Eiszeiten) unterlagen der Wasserspiegel und damit die Ausdehnung des Sees in jüngerer erdgeschichtlicher Zeit mehrmals großen natürlichen Schwankungen. Salzgehalt ist in den verschiedenen Teilen des Sees sehr unterschiedlich und soll bei bis zu 150 g/Liter (15 %) im östlichen Becken liegen. Zum Vergleich: Süßwasser weist einen Salzgehalt von unter 0,1 % auf. Der durchschnittliche Salzgehalt der Ozeane liegt bei 3,5 %. Trotz der geringen Niederschläge von 100 mm/a wird der See wohl nicht zur Gänze austrocknen, allerdings wird der östliche Teil des Großen Aralsees aufgrund seiner geringeren Tiefe weiter sehr schnell an Fläche verlieren. Die größte von Menschen verursachte Umweltkatastrophe Die Folgen für die Region sind sehr tief greifend. Zwar boomte anfangs die Wirtschaft durch den Bau der Bewässe- rungskanäle und die Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzfläche, doch mit dem Zusammenbruch des Öko- systems sind viele negative Effekte zu beobachten: • Fischsterben als Folge der Versalzung und damit der Zusammenbruch der Fischerei. • Generell geringe Artendichte bei Flora und Fauna. • Desertifikation: Ausbreitung der Wüste und Dünen bis zum Ostufer. • Durch die Verlandung und Versalzung verbleiben Salz- und Staubwüsten, die Böden sind durch Reste von Herbizi- den, Pestiziden und Kunstdünger gesundheitsgefährdend. U. a. wurde das aus dem Vietnamkrieg berüchtigte Mittel Agent Orange verwendet, das das Erbgut schädigen kann. • Die Insel des Aralsees wurde für Versuche mit biologischen Kampf- UNTERRIchTsEINhEIT sEKUNDaRsTUfE II stoffen genutzt. Die abnehmende Luftfeuchtigkeit führt nun dazu, dass die Schadstoffe ausgeweht werden und ein zusätzliches Gesundheitsrisiko darstellen. • Durch die Verschmutzung des Wassers und der Luft steigen verschiedene Erkrankungen wie Atemwegserkran- kungen, Erbkrankheiten und Magen- Darm-Erkrankungen an. • Die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser und auch Brennmaterial ist ein großes Problem. • Durch den wirtschaftlichen Niedergang in der Region aber auch den Zusam- menbruch der Sowjetunion ist die Gesundheitsvorsorge kaum mehr gewährleistet. Lösungsansätze Da es sich bei dem Bewässerungsprojekt um ein Vorzeigeprojekt der Sowjetunion handelte, fühlt sich Russland angeblich in der Verantwortung zur Lösung beizutragen. Erste Ansätze in den 1990er-Jahren gingen aber von Kasach- stan aus, als hier ein erster einfacher Sanddamm gebaut wurde, der das Wasser des Kleinen Aralsee im Norden zurückhalten sollte. Dieser Damm wurde 2003-2005 mit Mitteln der Weltbank durch einen höherwertigen Damm, den so genannten Kok-Aral-Damm ersetzt. Während sich die ökologische Situation (Anstieg des Wasserspiegels, geringere Salz- und Schadstoffkonzentration) für den Kleinen Aralsee verbesserte und es somit zur Wiederbelebung der Fischerei kommt, sind die Folgen für den Großen Aralsee, der hauptsächlich in Usbekistan liegt, entsprechend negativ. Hiermit wird deutlich, dass der See im Spannungsfeld mehrerer Staaten steht. Alle Anrainer- staaten möchten von den Zuflüssen 19

Weitere Seiten in diesem Flash-Magazin:

Sie befinden sich auf der Textversion einer Flash-Seite. Um die Seite in ihrem vollem Umfang betrachten zu können, benötigen Sie den Flash Player ab Version 8, sowie aktiviertes Javascript.

Sie können jederzeit versuchen, diese Abfrage zu überspringen und das Magazin trotzdem aufzurufen, indem Sie hier klicken!

Flash Magazin, Katalog und Content Management System powered by i-magazine.de