Diercke 360

Autor: Knut Heyden Diercke360° 2/2009 M 3 Der verlandete Aralsee Noch vor 40 Jahren war das Umland des Aralsees eine frucht- bare, wald- und artenreiche Landschaft. Die Bevölkerung lebte überwiegend von Fischfang und Landwirtschaft. Heute prägen riesige Monokulturen das Landschaftsbild. Von Süden her erhält der Aralsee sein Wasser von dem nur noch spärlich einfließenden Fluss Amudarja. Da es sich bei dem zweiten einmündenden Fluss – dem von Norden kommenden Syrdarja – ebenfalls um einen Zufluss handelt, gilt der Aralsee als Endsee ohne Abfluss. Der natürliche Wasserverlust resul- tierte aus Versickerung und Verdunstung; im Laufe der Erdgeschichte hatte sich ein Gleichgewicht mit dem Schmelz- und Regenwasserzufluss eingestellt. Die Störung dieses Gleichgewichts durch den immer geringeren Wasserzufluss führt nicht nur zu einer Wasserspiegelabsenkung, sondern auch zu einem deutlichen Anstieg des Salzgehaltes im Aralsee. Bislang hat das Volumen des Sees um zwei Drittel abgenom- men, der Salzgehalt hat sich dagegen fast vervierfacht. Es kommt zu einem verstärkt kontinental geprägten Klima mit heißeren Sommern und kälteren Wintern, da die natürliche Mäßigung des Klimas durch die Wasserfläche immer schwächer wird. Quelle: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (Hrsg.): Globaler Wandel. Die Erde aus dem All 2008, S. 241 (gekürzt) M 4 Entwicklung von Wasserfläche, Volumen und Salzgehalt des Aralsees Jahr Wasserfläche Aufgaben 4. Untersuchen Sie das Wasserregime des Aralsees (Zufluss- Abfluss) anhand der Atlaskarte Nordasien – physisch (Diercke u S. 152/153, Diercke 2 u S. 118/119), M3 und M4. bearbeitet von: Wasservolumen salzgehalt 1960 100 % 100 % 0,9 % = 9 g/Liter 1970 90 % 89 % 1,0 % 1980 76 % 59 % 1,7 % 1990 66 % 26 % 3,5 % 2000 40 % 19 % 4,3 % 2003 30 % 12 % Großer Aralsee: > 7,5 % im westlichen Teil Quelle: Uni Bielefeld > 15 % im östlichen Teil Kleiner Aralsee: 2 % M 5 Das Geheimnis des Aralsees COPY Der Aralsee liegt im Tiefland von Turan und gehört zu Kasach- stan und Usbekistan. Um zu verstehen, was in der Region geschehen ist, muss man den Läufen der beiden Zuflüsse des Aralsees – Syrdarja und Amudarja – folgen. Der Aralsee, einst doppelt so groß wie die Niederlande, hat seit 1960 über zwei Drittel seiner Fläche eingebüßt. Stolze, sowjetische Kolchosen meldeten immer größere Ernten an Reis und Baumwolle. Doch unkontrollierte Wasserver- schwendung ließ das salzige Grundwasser dicht an die Oberfläche steigen, und Salzkristalle machten den Boden für die Nutzpflanzen unfruchtbar. Eine rapide Verdunstung verwandelte das Süßwasser des Sees in eine Lake, deren Salzgehalt dreimal so hoch ist wie der des Meeres. Alle Fische starben. Durch Wind und Staubstürme gelangt das Salz in die Luft, gefährdet die anliegenden Felder und sogar Gletscher bis nach Skandinavien. Die sowjetische Fangflotte zog einst Netze voll mit Edelfisch an Bord, heute wirken die endlosen Dünen- felder auf dem ehemaligen Seeboden aus der Luft auch fast wie Wellen. Und sie bewegen sich tatsächlich. Einige Häuser im ehemaligen Fischerdorf sind schon zugeschüttet. Eines der größten Probleme der Aralregion ist das Trinkwasser. Die Quellen vor Ort sind nur bedingt genießbar, da ungehin- dert Herbizide, Pestizide und Dünger aus den Feldern in den Wasserkreislauf fließen. Ärzte in Aralsk beklagen eine der weltweit höchsten Kindersterblichkeit, während die UNO Destillatoren zur Wasseraufbereitung an die Haushalte verteilt. Für die Natur ist das Phänomen des schwindenden Wassers nichts Neues. Auch der Mensch muss lernen, damit fertig zu werden. Doch die kasachische Regierung will den nördlichen Fluss Syrdarja nicht nach Süden zu den Usbeken abfließen lassen und baut für 80 Millionen Dollar einen Damm. Das Projekt ist nicht unumstritten, denn viele Wissenschaftler warnen, dass dadurch der übrige Teil des Sees noch schneller austrocknet. Im Jahr 2010 wird voraussichtlich nur ein Zehntel davon bleiben. Quelle: Paul Pfander: Das Geheimnis des Aralsees, Dokumentation, Deutschland/ Kasachstan/Usbekistan 2005, ZDF (16.11.2006) (verändert) 5. Vergleichen und erläutern Sie anhand der Karten Nordasien – Wirtschaft (Diercke u S. 154/155, Diercke 2 u S. 120/121) und Aralsee – Landschaftswandel (Diercke u S. 157.1, Diercke 2 u S. 123.1) die wirtschaftliche Nutzung in der Großregion des Aralsees in den Jahren 1960 und 2007. Welche Maßnahmen wurden in sowjetischen Zeiten durchgeführt (M5)? Weitere Informationen finden Sie z.B. unter www.aralsee.org oder bei Wikipedia.

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