Diercke 360

4 TITElThEma Diercke Weltatlas Magazin Landkarten als Belege für Landschaftswandel Landschaft hat Geschichte; sie wandelt sich im Lauf der Zeit. Besonders gut lässt sich das an den vielen Landschaftsveränderungen des Industriezeitalters demonstrieren. Riesige Mengen an Rohstoffen wurden ausgebeutet, die man in großen Industrieanlagen verarbeitete. In anderen Fabriken wurden Maschinen gebaut. In deren Nähe entstanden Wohngebiete. Die Stätten des Wohnens und des Arbeitens, die Orte der Rohstoffgewinnung und der industriellen Produktion wurden durch Verkehrswege verbunden. Später kam eine andere Form des Landschaftswandels hinzu: Ausgebeutete Bergwerke wurden aufgegeben, Fabriken stillgelegt, Verkehrswege abgebaut. Neue Landschaften wurden geformt, wo ehemals graue Industrie vorherrschte. Neue Landschaft aus Menschenhand Im neuen Diercke Weltatlas lassen sich beide Phänomene erkunden:Land- schaftswandel durch Etablierung von Bergbau, Industrie und Energiegewin- nung einerseits, Landschaftswandel durch Aufgabe der intensiven industriel- len Nutzung andererseits. Industrie und Rohstoffausbeutung geben ganzen Landschaften einen neuen Charakter, zwischen Köln und Aachen (Diercke u S. 51, Diercke 2 u S. 39), in Kanada (198.1), Brasilien (243.4, 168.4) sowie auf Borneo und Celebes (180/181, 142/143). Riesige Verkehrsanlagen wurden geschaffen, bei- spielsweise in den Niederlanden (109, 83) und am neuen Flughafen von Hahn (63.7). Landschaften wurden für die Gewinnung von Energie verändert, durch Stauseen wie am Jangtsekiang (173) oder durch Nutzung der Windkraft in Deutschland (53.4, 39.3). Der Oberrhein wurde seit dem 19. Jahrhundert reguliert (43); die Bedin- gungen für die Schifffahrt sollten verbessert, die Hochwassergefahr minimiert und neue landwirtschaftliche Nutzfläche gewonnen werden. Später baute man Kraftwerke zur Energiegewin- nung. Städte wuchsen und wurden Vom Mensch ausgelöster Landschaftswandel: Industrieanlagen in Rositz (Thüringen) 1994. Die Fabrik im Hintergrund wird abgebrochen; die Eisenbahnlinie ist inzwischen stillgelegt. Zu erkennen ist, dass die Natur Flächen zurückerobert: Kräuter und Büsche breiten sich auf nicht mehr genutzten Bahngleisen aus. Diercke 360° zum autor: Prof. Dr. hansjörg Küster Leibniz Universität Hannover Arbeitsschwerpunkte: Grundlagen Ökologie, Landschaftswissenschaft, Vegetations- und Landschaftsgeschichte umgebaut, z.B. Hamburg (31, 49.5), Wolfsburg (33.1, 28.1) und Berlin (34/35, 26/27); Dubai entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer Megastadt am Meer mit künstlichen Küstenformen (163, 127). Die großen Industriegebiete des 19. und frühen 20. Jahrhunderts erfahren einen tief greifenden Struktur- wandel. Das ist im Ruhrgebiet (36/37, 30/31) genauso zu beobachten wie bei Halle und Leipzig (38/39, 29), in Frankfurt- Höchst (41.2), im grenzüberschreitenden Industriegebiet von Luxemburg, Lothringen und Saarland (42) sowie in Mittelengland (111.4, 85.1). Die Landnut- zung veränderte sich, in Afrika (134/135, 104/105) wie in Südamerika (Brasilien: 219.4 und 5, 169.5,Honduras: 208.2,162.2). Nach der Neulandgewinnung an der Küste kann Land anders und intensiver genutzt werden, an der deutschen Nordseeküste (28.1, 24.1) wie vor allem in den Niederlanden (107.1/2). Dort sind die Küstenveränderungen derart umfang- reich, dass die Physische Übersichtskarte Europas (78, 62) neu gezeichnet werden musste. Große Mengen an Wasser, die bislang in den Aralsee geströmt sind, wurden zur Bewässerung von Baumwollfeldern abgeleitet. Die Fläche des Sees wird immer kleiner (157.1, 123.1). Physische Karten von Asien mussten neu gezeich- net werden (146.3, 152/153, 114.3, 118/119). Auf Landschaften der ganzen Welt könnte sich der derzeit prognostizierte Klimawandel (232) auswirken – oder bereits ausgewirkt haben: Gletscher schwinden, zum Beispiel der Rhoneglet- scher (102.2, 78.2).

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