Diercke 360

6 UNTERRIchTsEINhEIT sEKUNDaRsTUfE I Diercke Weltatlas Magazin Diercke 360° zum autor: Dr. siegfried schacht, aachen Akademischer Oberrat i. R. Arbeitsschwerpunkte: Didaktik der Geographie, Kartographie, Wirtschaftsgeographie Das Rheinische Braunkohlenrevier – ein klassisches Beispiel für Landschaftswandel Die im Diercke Weltatlas (Diercke u S. 51.3, Diercke 2 u S. 39.1) abgedruckte thematische Karte stellt den „aktuellen“ Zustand einer in langjährigem und tiefgreifendem Wandlungsprozess befindlichen Landschaft dar. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich hier die Zahl der Braunkohlentagebaue von 14 auf 3 reduziert, die heute großflächig den Raum prägen. Die Förderung sank von 118,7 Mio. t im Jahr 1976 auf 96,4 Mio. t im Jahr 2008. Mit einer Gesamtförderung von 176,3 Mio. t (2008) ist Deutschland mit Abstand der weltweit größte Braunkohlenproduzent. Der fossile Rohstoff wird auf lange Sicht seine Bedeutung für die Energieversorgung unseres Landes behalten. Abbauflächen, Kippflächen und festgelegte Abbaugrenzen Wesentliche Teile eines Tagebaus sind die eigentliche Abbaufläche, die Kippfläche und die gesetzlich festge- legte Abbaugrenze, die auch geplante Abbau- und Kippflächen (Anschlusstage- baue) umfasst. Tab. 1 zeigt den Umfang von Kohleförderung und Abraum der drei rheinischen Tagebaue. Tagebau Kohle abraum Garzweiler 37,1 Mio. t 117,3 Mio. m³ Hambach 37,8 Mio. t 250,0 Mio. m³ Inden 21,5 Mio. t 74,5 Mio. m³ Insgesamt 96,4 Mio. t 441,8 Mio. m³ Tab. 1: Förderung von Kohle und Abraum im Rheinischen Braunkohlenrevier (2008) Quelle: www.rwe.com In den frühen Tagebauen der südlichen Ville mussten wegen der günstigen Lagerung der Vorkommen zur Förde- rung von 1 t Kohle weniger als 1 m³ Abraum bewegt werden. Heute liegt das Abraum-Kohle-Verhältnis im Tagebau Hambach bei 6:1. Mit modernster Fördertechnik (z. B. Schaufelradbagger mit einer maximalen Tagesleistung von 240 000 m³ oder t pro Tag) kann der Abbau dennoch wirtschaftlich betrieben werden. Die Karte spiegelt gewissermaßen nur eine Momentaufnahme des Landschafts- wandels wider, der ständig voranschrei- tet. Dynamik und Ablauf des Bergbaus lassen sich anhand der dargestellten Objekte und Pfeile gut erkennen bzw. erarbeiten. Im Tagebau Garzweiler I sind Abbau- und Kippflächen mit dem Stand von 2007 dargestellt, der Pfeil zeigt die Abbaurichtung hin zu Garzweiler II. Bevor dort mit der Kohleförderung begonnen werden kann, muss das auflagernde Deckgebirge als „Abraum“ entfernt werden. Nach und nach fällt die gesamte Natur- und Kulturlandschaft dem Bergbau zum Opfer. Der Abraum wird über Bandstraßen zur bereits ausgekohlten Seite des Tagebaus (Garzweiler I) befördert und dort über „Absetzer“ verkippt. Verständlich wird so die Aussage: „Die Tagebaue wandern“. Die „Wanderung“ endet an der festge- legten Abbaugrenze. Den bergbaubedingten Grundwasser- problemen wird durch die auf der Karte dargestellten Randbrunnen und den Kölner Randkanal begegnet. Folgeindustrien Wichtigste Folgeindustrie des Braunkoh- lenabbaus ist die Stromgewinnung, der fünf Wärmekraftwerke (Frimmersdorf, Neurath, Niederaußem, Weisweiler und Goldenberg) mit einer installierten Gesamtleistung von rund 11.000 MW dienen. Auf der Karte ist bei vier Kraft- werken jeweils das Jahr der Entschwefe- lung in Klammern angegeben. Nieder- außem gilt mit seiner optimierten Anlagetechnik (u.a. hohe CO2-Reduzie- rung) als das modernste Braunkohlen- kraftwerk der Welt. Während rund 90 % der geförderten Braunkohle der Stromerzeugung dienen, gelangen rund 10 % in Veredelungsan- lagen. Dort werden sie zu Briketts oder Braunkohlenstaub für Großfeuerungs- anlagen verarbeitet oder dienen der Kohlevergasung. Letztere bietet u.a. auch die Möglichkeit, mittels eines komplizierten Verfahrens flüssigen Kraftstoff zu gewinnen. Außerdem haben sich energieintensive Industrien wie die Chemische Industrie im Revier angesiedelt. Die „Legierungsmetallhüt- te“ bei Eschweiler ist ein Stahlverede- lungsbetrieb, der weltweit führend in der Herstellung von Ferrochrom ist. Blick in den Tagebau Garzweiler

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