Wegen des hohen Stromverbrauchs hat er sich in unmittelbarer Nähe des Kraftwerks Weisweiler angesiedelt. Rekultivierung und Umsiedlung Das Braunkohleunternehmen RWE Power AG (früher Rheinbraun AG) ist gesetzlich zur Rekultivierung der durch den Tagebau erheblich zerstörten Landschaft und zur Umsiedlung der vom Kohleabbau verdrängten Bevölkerung verpflichtet. Für die landwirtschaftliche Rekultivie- rung wird auf die planierten Kippflächen eine 2 m starke Lössschicht aufgebracht. Anschließend werden die Gebiete sieben Jahre lang vom Unternehmen zwischenbewirtschaftet, bis sie von umgesiedelten Landwirten übernom- men werden. Grundlage der forstwirtschaftlichen Rekultivierung ist der sogenannte Forstkies, ein 4 m mächtiges Gemisch aus pleistozänen Sanden, Kies und Löss. Hierauf werden heimische Bäume wie Buche, Eiche und Nadelbäume ge- pflanzt. Die meisten Tagebau-Restlöcher werden mit Wasser gefüllt und dienen der Naherholung. Insbesondere im Süden der Ville sind viele derartige Seen auf der Karte zu erkennen. Im Bereich des ehemaligen Tagebaus Zukunft bei Eschweiler hat sich als jüngstes Beispiel das Naherholungsgebiet Blausteinsee entwickelt. Die bergbaubedingte Umsiedlung von Menschen stellt einen tiefen Eingriff in Besitzverhältnisse und nachbarschaft- liche Bindungen dar. Sie ist nicht zu umgehen, weil der Sicherung der Energieversorgung Vorrang vor gesetz- lich geschützten Eigentumsrechten eingeräumt wird („Gemeinnutz vor Eigennutz“). In der Regel wird eine „geschlossene Umsiedlung“ bevorzugt, weil dadurch die sozialen Bindungen noch am wenigsten gestört werden. Auf der Karte sind die umgesiedelten (neuen) Orte mit roter Flächenfüllung, die ehemaligen Ortslagen mit roter Umrandung darge- stellt. Jüngste Beispiele für Umsied- lungen sind die Orte Erkelenz-Immerath sowie Jüchen-Otzenrath im Bereich des Tagebaus Garzweiler II, wo 2006 mit der Förderung von Braunkohle begonnen wurde. Exkursion Krönender Abschluss einer Unterrichts- einheit über den Braunkohlentagebau sollte eine Exkursion in dieses Gebiet sein. Während für die Region Aachen – Düsseldorf – Köln/Bonn derartige Lehrfahrten zum Standard gehören, lohnt der über 450 m tiefe und 85 km² große Tagebau Hambach I auch eine weitere Anreise. Gemäß Stern Nr. 28/2008 zählt „Europas größtes Erdloch“ zu Deutschlands außergewöhnlichen „Nationalen Geotopen“. Hilfreich für die Vorbereitung derartiger Exkursionen sind die von der RWE Power AG herausgegebenen „Wegweiser zu den Aussichtspunkten“, die laufend aktualisiert werden und im Internet abgerufen werden können (vgl. Link). Das Thema im Unterricht Bereits in Klassenstufe 5/6 wird Braun- kohle als wichtiger heimischer Energie- träger, meist im Zusammenhang mit ihrer Entstehung, behandelt. Mithilfe der Diercke-Atlaskarte und der Materialien sollen hier in Klassenstufe 9/10 insbeson- deredertiefgreifendeLandschaftswan- del und die Rekultivierung herausgear- beitet und problematisiert werden. Als Einstieg in die zwei Stunden umfas- sende Unterrichtseinheit (UE) könnte ein Foto (z. B. Tagebau, Schaufelradbagger, Kraftwerk) oder ein „virtueller Braunkoh- lentagebau“ (vgl. Link) genutzt werden. In der ersten Erarbeitungsphase (Arbeits- blatt 1) stehen die Diercke-Atlaskarte und die schematische Darstellung eines Braunkohlentagebaus (M1) im Vorder- grund. In einer weiteren Erarbeitungsphase (Arbeitsblatt 2) wird am Beispiel des Blausteinsees schwerpunktmäßig die Rekultivierung problematisiert. Anhand eines Ausschnitts der Topographischen Karte 1 : 50 000 (M6) sollen sich die Schüler an den Planungen für die Gestaltung des Tagebau-Restsees beteiligen. Den Abschluss der UE könnte eine Diskussion über soziale, wirtschaftliche und ökologische Aspekte des Braunkoh- lenbergbaus sowie über Alternativen zur Braunkohle bilden. Literatur: Maas-Rhein Institut für Angewandte Geographie e.V. (Hrsg.): Braunkohlenbergbau und räumlich-struktureller Wandel im westlichen rheinischen Braunkohlenrevier. Aachen 1999 (Beiheft 8 der Informationen und Materialien zur Geographie der Euregio Maas-Rhein) Over, M. und Wolf, A.: Der Braunkohleabbau zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und Landschaftsverbrauch. Geographie und Schule, Nr. 154, 2005, S. 19-25 Schreiber, T.: Braunkohlenbergbau in der Niederrheinischen Bucht. Informationen und Materialien zur Geographie der Euregio Maas- Rhein, Heft 3, 1978, S. 3-19 Stoll, R. D. u.a. (Hrsg.): Der Braunkohlentagebau – Bedeutung, Planung, Betrieb, Technik, Umwelt. Berlin, Heidelberg 2009 Topographische Karten 1 : 50 000 auf CD-ROM. Eine Serie der deutschen Landesvermessungsämter („TOP50 CDs“) Links: www.blausteinsee.de www.braunkohle.de www.braunkohle-wissen.de www.debriv.de www.debriv.de/pages/layout3sp. php?page=47 (Wegweiser zu den Aussichtspunkten) www.debriv.de/pages/layoutflash. php?page=647(Virtueller Braunkohlentagebau) www.rwe.com Arbeitsblätter und Lösungen finden Sie online unter: www.diercke.de/360grad 7
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